Zwei Länder ziehen ihre Bahnen, Frankreich und Deutschland. Zwei große Länder, beide mit einer großen Vergangenheit. Zwischen den beiden gibt es von alters her eine Grenze, und es kam wegen deren Verlauf zu Kriegen. Ein Symbol für Grenze sind Grenzsteine.
Der erste Stein links steht für die Vergangenheit, der zweite, ein Kreuz steht für die ausgefochtenen Kriege zwischen den beiden Ländern. Den Frieden markiert ein grüner Stein. Grün ist (auch) die Farbe des Lebens. Diese Symbolik entsteht aus der Erfahrung des pflanzlichen Wachstums. Es sprießt, es gedeiht, es grünt. Grün symbolisiert (auch) den Frühling und das bedeutet Wachstum, auch im übertragenen Sinne; wenn es in alter Sprache heißt: zurzeit als Rom am grünsten war ist dann nicht der Frühling gemeint sondern die Zeit seiner wirtschaftlichen und kulturellen Blüte.
Die beiden Steine, für Frankreich und Deutschland, stehen parallel zueinander, zeigen in eine gleiche Richtung. Zwischen ihnen entstehen Querverbindungen, gradlinig, in vorsichtigem, dunklem Grün. Die „graue Vorzeit“ hellt auf. Die Beziehungen gehen weiter, unmerklich kommt Bewegung in das etwas heller gewordene Grün. Das Grau wird auch heller. Noch etwas mehr Bewegung im dritten Strang, das Grün wird noch heller, das Grau ist jetzt merklich heller. Noch mehr Bewegung und das vierte Band, jetzt hellgrün, in der Farbe der beginnenden Liebe. In der Farbsymbolik der Minnedichtung ist Grün die Farbe der beginnenden Liebe und Liebe muss im Spiel sein, wenn man miteinander gehen will. Die Stränge die von jedem Land kommen münden in einen gemeinsamen Weg.
Bis zu diesem letzten Strang zeigen sich die beiden Länder ausschließlich in ihren Farben. Dann aber tauschen Frankreich und Deutschland „Teile“ ihrer Wege, ihres Denkens und - ihrer Freundschaft aus. Die Farben der Bahnen links und rechts vermischen sich.
Ganz außen ziehen beide Länder auch weiterhin ihre eigene Bahn, doch geht es jetzt fünfspurig hinein ins Helle, mit Schwung hinauf ins Helle, ins fast Weiße. Weiß ist (auch) die göttliche Farbe. Zeus erschien Europa als weißer Stier. Christus ist das weiße Lamm. Das weiße Einhorn ist das Symboltier der Jungfrau Maria. Bei den Ägyptern war Weiß die Farbe der Freude und des Glücks.
Die Friedenstaube scheint segnend ihre kleinen Schwingen über diesen Wegen auszubreiten und nimmt, ganz selbstverständlich, den zentralen Punkt des Bildes ein.
Stefan Stettner
Auftragsarbeit: Der Weg
Text zur Bildübergabe in Oissel sur Seine wird nachgereicht...
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